Aus der Praxis: Einblick in Berufsbilder

 

Die gif Zukunftswerkstatt spricht in der Interview-Reihe mit Profis aus der Branche über die Einstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten sowie die jeweiligen Besonderheiten der von der gif definierten Berufsbilder.

 

 

Projektentwicklung: Timm Sassen (Greyfield Group)

AUS DER PRAXIS: Interview mit Timm Sassen MRICS

Timm Sassen						Filebrowser

 

Timm Sassen MRICS
CEO und Gründer der Greyfield Group
Leiter der gif-Kompetenzgruppe Re-/Development

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lieber Herr Sassen, vielen Dank, dass Sie der gif für das Interview zur Verfügung stehen. Sie haben über 15 Jahre Erfahrung in der Immobilienwirtschaft.
Welchen akademischen Hintergrund bringen Sie mit? Wie haben Sie den Weg in die Projektentwicklung gefunden?

Die Basis meiner akademischen Ausbildung bildet ein klassisches Architekturstudium, allerdings mit den für dieses Studium seltenen Schwerpunkten Ökonomie sowie Organisation des Planens und Bauens. 2003 habe ich dieses als Diplom-Ingenieur abgeschlossen. An der European Business School absolvierte ich darauf aufbauend und berufsbegleitend ein Kontaktstudium im Corporate
Real Estate Management, um anschließend an der International Real Estate Business School in Regensburg meinen Master of Business Administration zu erlangen. Ergänzend hierzu dienten diese Aufbaustudiengänge der Zertifizierung zum Chartered Surveyor bei der RICS.

Mein Berufsleben startete ich, nach einigen Werkstudenten-Jobs, bei der IKB Deutsche Industriebank AG im Immobilienbereich. Damals war ich ein absoluter Exot bzw. Quereinsteiger bei der Bank. Ich konnte mich aber direkt „als Techniker“ in Immobilienaktivitäten der IKB als nützlich erweisen. Nach 3 Jahren ging ich dann als Projektleiter und später als Prokurist zu KPMG in den
Bereich Corporate Finance – Real Estate. In 6 intensiven Jahren konnte ich im Rahmen diverser Projekte meine Kenntnisse als Berater für Corporate Finance, Projektentwicklung sowie Corporate Real Estate entwickeln.

Die berufliche und akademische Historie hat somit meinen Weg in die Projektentwicklung geebnet. Die Erkenntnis, dass Redevelopment bislang in der Projektentwicklung eine viel zu geringe Bedeutung zukam, ließ mich unter anderem 2012 die Greyfield Group gründen. Die Leidenschaft für Problemimmobilien bzw. vergessene Orte, eine hohe Flächennachfrage in Deutschland und gleichzeitig eine zu hohe Flächenversiegelung waren für mich der Anstoss für ein nachhaltiges und wichtiges Geschäftsmodell mit Fokus auf Bestandsentwicklung. Damals wie heute ist dieser Bereich in der Immobilienbranche noch immer unterbesetzt.

Sie sind bereits seit mehreren Jahren in der Projektentwicklung tätig. Hat sich das Berufsbild in den letzten Jahren signifikant verändert?

Die Projektentwicklung wird zwar nach und nach moderner, jedoch in sehr langsamen Schritten. Größtenteils prägt die Immobilienbranche immer noch ein eher konservativer
und renditegetriebener Ruf. Dabei werden neue Technologien oder die langfristigen Renditen aus
soziologisch und ökologisch nachhaltigen Konzepten nicht mit dem besten Blick erfasst. Der Erfolg wird in der Projektentwicklung leider noch immer zu eindimensional in Bezug auf die Kaufmanns-Rendite definiert. Wir bei der Greyfield Group lösen uns von den traditionellen Verfahren, gehen neue (unkonventionelle) Wege und „riskieren“ bewusst, aus dem klassischen Projektentwickler-Muster zu fallen und denken mehrdimensional. Neben der Kaufmanns-Rendite betrachten wir auch immer eine Soziale und Nachhaltigkeits-Rendite.

Generell hat hier bereits das Umdenken, dass Redevelopment vermehrt interessanter ist und im Zuge der Nachhaltigkeit in den Fokus der Gesellschaft rückt, stattgefunden. Allerdings muss die Immobilienbranche das noch mehr spüren – und nicht nur umdenken, sondern auch handeln.

Redevelopment ist in nachhaltiger Hinsicht sehr vielseitig, was die Attraktivität dieses Berufsbildes zudem steigert. Zum einen geht es um die ökologische Betrachtung einer Projektentwicklung, bei der es um die Ressourceneinsparung und den Ressourcenschutz geht. Zum anderen geht es bei dem Begriff Nachhaltigkeit im Redevelopment um eine nachhaltige Nutzung der Immobilie und somit um den Menschen im Fokus. Um nachhaltige Immobilien zu entwickeln ist es aus unserer Sicht essenziell sich mit dem Nutzer und seinen Anforderungen zu beschäftigen und in die Planung zu integrieren. Das klassische Renditestreben wird daher um eine soziale und nachhaltige Rendite erweitert. Das ist eine spannende Entwicklung dieser Zeit und schafft deswegen ein attraktives und
nachhaltiges Berufsbild.

Projektentwicklung wird in vielen Kreisen als „Königsdisziplin der Immobilienwirtschaft“ bezeichnet.
Ihr Werdegang zeigt, dass Sie viele Facetten vorher kennengelernt haben. Welche akademische Ausrichtung empfehlen Sie Studierenden oder denjenigen, die sich mit Aufbau und Weiterbildungsstudiengängen beschäftigen, für eine optimale Vorbereitung auf die Anforderungen der Projektentwicklung?

Ein Studium der Immobilienwirtschaft ist sicherlich von Vorteil, um den Werkzeugkasten zu erlernen. Eine gute Grundlage an kaufmännischem Know-how ist dabei ebenfalls wichtig, da die vielen unterschiedlichen Projekte einer umfangreichen Planung und Begutachtung bedürfen. Darüber hinaus ist es aber ebenso wichtig, über den Tellerrand der klassischen Immobilienlehre hinauszuschauen, sich z. B. mit sozialen, kulturellen oder künstlerischen Studieninhalten zu befassen. Schafft man es, die ganze erlernte Theorie auch noch berufsbegleitend mit einem Unternehmen in der Praxis direkt anzuwenden, scheint das der optimale Weg zur Vorbereitung auf eine innovative Zukunft in der Projektentwicklung zu sein. Pauschalisieren kann man dies aber nicht. Gerade im Bauen im Bestand ist es wichtig breit aufgestellt zu sein.

Welche Voraussetzungen sollten Interessierte neben der akademischen Ausbildung unbedingt mitbringen, um in der Projektentwicklung erfolgreich zu sein?

Die Begeisterung an der Realisierung eigener Ideen und den Willen, etwas neu zu entwickeln, auszubauen oder zu erweitern. Das geht einher mit dem Interesse an Themenvielfalt, da es viele unterschiedliche Projekte gibt, die alle sehr facettenreich sind.

Kreativität ist außerdem unabdingbar, um innovative Ideen auf unkonventionelle Weise verwirklichen zu können, ebenso wie ein gutes Auge für die Immobilienszene und die Menschen, um auf die Bedürfnisse der Gesellschaft einzugehen.

Wer Mut und diplomatisches Durchsetzungsvermögen mitbringt, ist genau richtig für diesen Job, bei dem viel kommuniziert wird – nicht nur im Team, sondern auch extern mit Bauherren, Ämtern, Architekturbüros, etc.

Ein entscheidender Erfolgsfaktor, das Bauchgefühl, ist jedoch nicht zu vergessen. Oft sind Entscheidungen im Bauen im Bestand mit logischem Verstand, einem Gefühl für das Objekt, für die vorhandenen Ressourcen und besonders für den Menschen zu treffen.

Empfehlen Sie einen Direkteinstieg in die Projektentwicklung für den Berufseinstieg? Und wenn ja, worauf sollten Beschäftigte und Unternehmen bei der innerbetrieblichen Projektentwicklungs-Ausbildung achten?

Ein Direkteinstieg in die Projektentwicklung bringt viele Vorteile, auch wenn man am Anfang nicht immer direkt allein Projekte verantworten kann. Der Bezug zur Immobilie, also zu verstehen, wie sie gebaut werden und für wen sie gebaut werden, schärft das Bewusstsein für diese Branche.

Innerbetrieblich ist es daher umso wichtiger früh eine maximal mögliche Verantwortung zu übertragen, um somit die Innovationskraft neuer Talente zu fördern und Talente in kaufmännische als auch technische Aufgaben zu integrieren.

Welche Entwicklung wird das Berufsbild Projektentwicklung Ihrer Meinung nach in den kommenden Jahren nehmen? Welchen Einfluss hat die Digitalisierung speziell für die Projektentwicklung? Was sind die Chancen und Risiken?

Ich denke, dass sich künftig ein größerer Teil für die nachhaltige Projektentwicklung interessieren wird. Das ist fast schon alternativlos. „Deutschland ist fertigbebaut“, d. h., dass Bauen im Bestand zunehmen wird. Wir bei der Greyfield Group haben das früh erkannt und setzen diesen „Trend“ in der Immobilienwirtschaft bereits erfolgreich um. Es entwickeln sich daher zwei wichtige Disziplinen
für die Projektentwicklung in der Zukunft: Erstens Bauen im Bestand und zweitens ressourcenneutraler Abriss und Neubau.

Die zunehmende Digitalisierung unserer Gesellschaft macht auch vor der Projektentwicklung zukünftig keinen Halt. Der Bau wird sozusagen revolutioniert, die Planung und die einzelnen Abläufe werden digital vernetzt und miteinander synchronisiert. Aber auch der Anspruch an die Immobilie ändert sich. Neue Technologien und damit eine entsprechende Hardware gilt es zu verbauen und
Bauteile müssen smart werden, um ein nutzerfokussiertes Objekt entstehen zu lassen und ressourcenneutrale Immobilien zu kreieren (Stichwort Material Passport).

Als Risiko sehen wir aber natürlich auch die Abkehr von dem tatsächlichen Nutzen einer Immobilie. Haben wir in den vergangenen Dekaden eine Abkehr vom Nutzerfokus hin zum Investorenfokus erlebt, so besteht nun die Gefahr den Nutzen einer Immobilie eindimensional digital zu optimieren. Der Nutzer wird dabei hoffentlich nicht vergessen, ist er doch der wichtigste Teil dieser Entwicklung.

Worauf achten Sie besonders, wenn Sie Nachwuchs für Ihr Unternehmen rekrutieren? Welche Skills sind Ihnen besonders wichtig?

Wir sind ein Team. Das bedeutet für mich, dass Teamgeist an erster Stelle steht. Wir arbeiten zusammen, stützen uns, denken um und handeln gemeinsam. Wir haben den Anspruch, dass sich jeder bei uns wohlfühlt, um den Ideen freien Lauf zu lassen und die fachliche Kompetenz
vollwertig einbringen zu können. Daher suchen wir gezielt Menschen mit Leidenschaft, Kreativität, Mut und ausgeprägter Leistungsbereitschaft. In der Praxis ist es wichtig Herausforderungen statt Probleme zu sehen, Nehmerqualitäten zu haben (also nach Rückschlägen wieder aufzustehen) und die Flexibilität im Arbeitsablauf als Standard anzuerkennen.

Quereinsteiger sind immer interessant, da sie ein breites Know-how und einen anderen Blick auf die Dinge mitbringen. Sie steuern frischen Input bei, mit dem die Projekte betrachtet werden können und die Expertisen ergänzen sich im Team. Das ist optimal, wenn Synergien geschaffen werden können.

Auch wenn die von Ihnen beschriebene Vielfältigkeit dies sehr schwer macht: Gibt es einen Arbeitsablauf, den Sie für das Berufsbild Projektentwicklung beschreiben können?

Grundsätzlich arbeiten wir von der Projektidee bis zur Inbetriebnahme. Wir begleiten die Immobilie in allen Phasen – von der Initiierung über die Konzeption und Planung bis zur Realisierung und Vermietung. Dies ist der klassische Tätigkeitsbereich der Projektentwicklung. Hinzu kommen noch die Besonderheiten, die Redevelopment mit sich bringt. Diese haben wir versucht zu standardisieren“ und im gif Leitfaden Redevelopment strukturiert zusammengefasst.

Viele junge Mitglieder der gif interessieren sich natürlich auch für die Arbeitsweisen und die Verdienstmöglichkeiten. Wie flexibel schätzen Sie das Arbeiten in der Projektentwicklung ein und welche Einstiegsgehälter sind für den Nachwuchs zu erwarten?

In unserer Branche gibt es viele verschiedene Berufsbilder, aber die Arbeit in der Projektentwicklung bringt aus meiner Sicht ein sehr hohes Maß an Flexibilität in jeglicher Hinsicht mit sich. Durch die Verantwortung von eigenen Projekten kann speziell in diesem Tätigkeitsfeld ein selbstbestimmtes Arbeiten umgesetzt werden. Flexibilität ist aber auch aufgrund der geforderten Schnelligkeit in einem Projekt durch die teilweise geringe Planbarkeit auf Baustellen eine Grundvoraussetzung.

Für uns passt das perfekt mit dem Megatrend New Work zusammen. Das fängt bei einer modernen Arbeitsumgebung,agilen Strukturen sowie flachen Hierarchien an und geht bis zum selbstbestimmten und selbstverantwortlichen Arbeiten. Die Einstiegsgehälter verhalten sich da sehr unterschiedlich. Bei uns fangen Junior Projektenwickler und Projektentwicklerinnen aktuell bei ca. 45.000 EUR p. a. an. Mobilität wird gewährleistet. Ein Bonussystem gibt es nicht, da es nach unserer Einschätzung die falschen Anreize setzt und einfach das Gesamtpaket stimmen muss.

Philipp Rabsahl						Filebrowser

 

Ich bedanke mich recht herzlich für Ihre ausführlichen Antworten und wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute!

 

Das Interview führte Philipp Rabsahl, gif-Vorstand und Leiter der gif-Zukunftswerkstatt

 

 

 

 

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Fondsmanagement: Brigitte Schmale (GLL Real Estate Partners GmbH)

AUS DER PRAXIS: Interview mit Brigitte Schmale

Brigitte Schmale (Crop)						Filebrowser

 

 

 

 

 

 

 

Zum Einstieg das Spannende vorweg: Wie wird aus einer Diplom-Geographin der Head of Fund Operations and Deputy Head of Fund Management? Und was verbirgt sich eigentlich dahinter?

Wie jeder Lebensverlauf ist auch mein Werdegang ganz individuell und geprägt von einer Kombination verschiedener Einflussfaktoren: die fachliche Ausbildung und Qualifikation, die persönlichen Interessen, der Wunsch nach Weiterentwicklung, aber auch Zufälle und Gelegenheiten spielen eine Rolle. Während meines Geographie-Studiums an der Universität Mannheim habe ich mich besonders für die Themen Stadtentwicklung, Wirtschaftsgeographie und räumliche Zusammenhänge begeistert und mir gleichzeitig über die Wahl von BWL als Doppelwahlpflichtfach betriebswirtschaftliche Kenntnisse und Werkzeuge angeeignet. Die Immobilienbranche bietet ein breites Arbeitsfeld, in dem dieses Wissen angewendet werden kann. So habe ich mich in den ersten Jahren nach dem Studium als Immobilienresearcherin mit den Immobilienmärkten national und international beschäftigt.

Dabei habe ich mein Interesse für die konkreten Einzelinvestitionen entdeckt: Warum laufen manche Investments gut und andere schlecht? Hier kommt insbesondere die geographische Komponente des Standorts zum Tragen. An der ebs Immobilienakademie habe ich das Aufbaustudium zur Immobilienökonomin absolviert und einige Jahre als Immobilienakquisiteurin gearbeitet. Mein Weg führte mich weiter ins Immobilien-Fondsmanagement, wo viele Fäden zusammenlaufen und die Perspektive sich erweitert. Ich habe mehrere Fonds mit Investitionsschwerpunkt in Europa und den USA betreut. Head of Fund Operations heißt, dass ich ein Team leite, das sich um die Administration der Immobilienfonds kümmert. Dieser Bereich ist ein Teilbereich des Fondsmanagements und hier wurde mir die stellvertretende Leitung anvertraut.

Die Immobilienbranche gilt als sehr vielfältig in den Aufgaben und Tätigkeitsfeldern. Was reizt Sie besonders an dieser Branche?

Immobilien prägen unser Leben und unseren Alltag, sind damit greifbar und individuell. Die Lage ist unveränderbar und einzigartig, die Immobilie gestaltbar. Entsprechend gibt es vielfältige Möglichkeiten, Werte zu schaffen, Werte zu erhalten und Werte zu steigern, immer unter Berücksichtigung der jeweiligen Lage im räumlichen Kontext. Dieses Zusammenspiel reizt mich besonders. Außerdem bietet die Immobilienbranche viele Aufgaben und Tätigkeitsfelder und damit immer wieder Potenzial der persönlichen Weiterentwicklung.

Die Kompetenzgruppe Human Resources hat die Berufsbilder der Immobilienwirtschaft strukturiert, um insbesondere Absolventinnen und Absolventen einen besseren Überblick über die beruflichen Möglichkeiten zu geben. Das Fondsmanagement wird als Allrounddisziplin mit Anforderungen unter anderem in den Fachbereichen Recht, Steuern, Technik, Finanzmathematik und IT beschrieben. Können Sie diese Allroundanforderung bestätigen und welche fachlichen Fähigkeiten sollten Interessenten Ihrer Meinung nach definitiv mitbringen?

Mir gefällt die Aufstellung der Berufsbilder sehr gut, denn als junger Mensch ohne Berufserfahrung ist es nicht einfach, ein Verständnis über die Vielfältigkeit diese Branche zu entwickeln. Meine persönliche Erfahrung bestätigt Ihre Einschätzung: Fondsmanagement ist eine Allrounddisziplin mit vielfältigen Schnittstellen. Ein Fondsmanager sollte neben den im Berufsbild des Fondsmanagers genannten Aufgaben auch die im Berufsbild des Real Estate Portfolio Managers genannten Aufgaben beherrschen. Die Kernaufgabe Nr. 1 – Portfolioanalyse und Überwachung (Soll-Ist) des Immobilienbestandes nach den Größen Rendite – Risiko – Liquidität ist auch eine der Kernaufgaben des Fondsmanagers, ebenso die Strategieentwicklung. Hinzu kommen die vielfältigen Aufgaben der Fondsadministration und Strukturierung.

Neben den fachlichen haben auch persönliche Eigenschaften starken Einfluss. Wie sehen da die Anforderungen im Fondsmanagement aus?

Hier sind zwei Eigenschaften ganz besonders wichtig: Erstens eine hohe Kommunikationsstärke an den vielen Schnittstellen zu Kunden, verschiedenen Dienstleistern und Kollegen, um die Fäden beisammen zu halten, Prozesse zu steuern und Entscheidungen und Ergebnisse zu kommunizieren. Zweitens unternehmerisches, strategisches Denken, da jeder Fonds wie ein kleines Unternehmen zu führen ist.

Können Sie den klassischen Arbeitstag im Fondsmanagement beschreiben? Wird viel grenzübergreifend, also international gearbeitet?

Der klassische Arbeitsalltag ist vielfältig: immobilienbezogene Aufgaben in Zusammenarbeit mit den Bereichen Immobilienan-/-verkauf oder Asset-Management, Strukturierungsaufgaben und SPV-Management im In- und Ausland, Soll-Ist-Abgleiche, Erstellung von Berichten und Präsentationen u. v. a.  wechseln sich ab, immer mit dem Ziel, eine gute Performance für den Fonds bei Begrenzung der Risiken zu erzielen. Sofern der Fonds international investiert – grenzüberschreitend investierende Fonds sind heute eher die Regel als die Ausnahme – setzt man sich an einem Tag häufig mit Themen in mehreren Ländern auseinander,

Das Fondsmanagement hat auf fachlicher Ebene viele Schnittstellen zu anderen Disziplinen wie dem Asset Management, dem Property Management, der Akquisition oder der Bewertung. Wie stellen sich diese Schnittstellen im Arbeitsalltag da? Wie sehr setzt sich das Fondsmanagement noch mit dem konkreten Immobilienobjekt auseinander?

Diese Schnittstellen werden im Arbeitsalltag durch regelmäßige Besprechungen und standardisierte Prozesse gemanagt. Beispielsweise gibt es in unserem Unternehmen wöchentliche Termine, in denen die Akquisiteure den Fondsmanagern mögliche Investitionsobjekte vorstellen. Der Fondsmanager prüft, ob das vorgestellte Objekt in dem Fonds, den er betreut, passt, analysiert die Auswirkungen auf die Fondsperformance und bereitet die Entscheidungsvorlage für Beschlussfassungen vor. Mit dem Objekt setzt sich der Fondsmanager intensiv und konkret auseinander, denn letztendlich verantwortet er die Fondsperformance des Fonds, der das jeweilige Objekt hält.

Für viele Absolventen sind Gehalt und Entwicklungsmöglichkeiten wichtige Entscheidungskriterien. Wie sieht das Einstiegsgehalt im Fondsmanagement aus? Wie sehen Sie die zukünftige Entwicklung im Tätigkeitsfeld des Fondsmanagements und welche Perspektiven bieten sich Interessierten in der beruflichen Entwicklung?

Im Fondsmanagement ist es vorteilhaft, bereits Erfahrung mit Immobilien, z.B. im Asset Management oder der Akquisition oder in einer anderen Schnittstellenfunktion gesammelt zu haben. Entsprechend der Ausbildung und Erfahrung gestaltet sich das Gehalt, so dass ich hier keine konkrete Aussage treffen kann.

Die Entwicklungsmöglichkeiten sind vielfältig. Es gibt verschiedenste Fondsprodukte:  regional spezialisierte Fonds (wie z. B. paneuropäische Fonds) oder sektoral spezialisierte Fonds (wie z. B. Office- oder Logistikfonds). Auch die Anlegerseite ist abwechslungsreich: Manche Fondsprodukte sind auf die Interessen der nationalen institutionellen Investoren zugeschnitten, andere auf institutionelle Anleger aus der ganzen Welt.

Zur Frage der Perspektive: Die Schnittstellen zu den Bereichen Regulatorik, Steuern und Recht gewinnen weiter an Bedeutung, denn die Strukturierung wird vor dem Hintergrund steigender regulatorischer Vorgaben komplexer mit entsprechenden Anforderungen an Dokumentation der Prozesse und Standardisierung.

Die Digitalisierung wird die Immobilienbranche in den kommenden Jahren stark beeinflussen. In welcher Form trifft das auch auf das Fondsmanagement zu und verändern sich dadurch Arbeitsalltag und Anforderungsprofil?

Die Digitalisierung bietet viele Möglichkeiten, die Effizienz zu erhöhen, so auch im Fondsmanagement. Der Arbeitsalltag verändert sich insofern, als dass der Fondsmanager immer mehr eine Reviewfunktion von automatisiert erstellten Berichten und Auswertungen,  Tabellen und Berechnungen übernimmt anstelle diese selbst zu verfassen. Das Anforderungsprofil ändert sich meines Erachtens trotzdem zunächst nur wenig, denn die Kernaufgabe des Fondsmanagers, die Fonds mit dem Ziel der bestmöglichen Performance für den Kunden zu managen, bleibt bestehen.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Das Interview führte Yannis Hien, Mitglied der gif-Zukunftswerkstatt

 

 

 

Real Estate Asset Management: Nicola Menzel de Trunzo (Catella Real Estate AG)

AUS DER PRAXIS: Interview mit Nicola Menzel de Trunzo

 

Bild Nicola Menzel						Filebrowser
Nicola Menzel de Trunzo ist Senior Asset Managerin der Catella Real Estate AG und besitzt langjährige Erfahrung im aktiven Management von Immobilien und Kapitalanlagen. Davor hat sie die Asset und Vermietungs-Management Abteilungen einiger Unternehmen im Großraum München aufgebaut. Frau Menzel de Trunzo ist in der Branche und in ihrer Wahlheimat München sehr eng vernetzt und stets nah bei den Kunden: Eigentümer, Mieter oder Dienstleister, welche täglich operative Aufgaben in ihren gemanagten Immobilien durchführen und dadurch einen wichtigen Beitrag zur Bestandsoptimierung leisten.

 

Sie sind heute Asset Managerin eines großen internationalen Konzerns. Was ist ihr akademischer Hintergrund und wie sind Sie eigentlich zur Asset Managerin geworden?

Bereits während meines Studiums der Wirtschaftsgeographie an der TU München hat sich mein Interesse für Projektentwicklung, Raumplanung und Stadtteilentwicklung verstärkt. Nach weiteren Studien in Münster und einem Auslandsaufenthalt in Spanien habe ich die Diplomarbeit zum Thema Revitalisierung von Brachflächen geschrieben und erfolgreich zur Diplom-Geografin abgeschlossen. Erste praktische Erfahrungen habe ich nach dem Studium im Bereich Vertrieb, Vermietung und Research gesammelt. Neben beruflichen Stationen bei Colliers Schauer & Schöll und PATRIZIA konnte ich umfangreiche Kenntnisse in Unternehmen sammeln, die für vermögende Privatleute strategisch in Immobilien investiert und diese gemanagt haben. Begriffe wie Family Offices und Asset Management waren um das Jahr 2002 weitaus noch nicht so geläufig wie heute. In diesen Unternehmen baute ich die jeweilige Asset-Management-Abteilung auf, konnte Strukturen schaffen und langfristige Investitionspläne entwickeln. Parallel habe ich berufsbegleitend das Intensivstudium Real Estate Asset Management an der IRE|BS absolviert. Mir war und ist es bis heute sehr wichtig, nah an der Immobilie, den Mietern und sonstigen Akteuren zu sein.

Die gif hat mit ihren „Berufsbildern der Immobilienwirtschaft“ Jobprofile entwickelt und Leistungsstandards definiert. Wie sieht die Praxis aus? Was muss Ihrer Meinung nach ein guter Mitarbeiter im Asset Management mitbringen?

Eine wichtigste Eigenschaft ist das Interesse an der Immobilie und den Menschen, die darin täglich wohnen, arbeiten und leben. Wertschöpfendes Asset Management funktioniert dann gut, wenn man nah an der Immobilie ist, proaktiv handelt und lösungsorientiert denkt. Grundlegende immobilienwirtschaftliche Kenntnisse, ein gutes Gespür für Möglichkeiten und Potenziale sowie fachliches Wissen - insbesondere im Bereich Mietrecht - sind wichtige Fähigkeiten, die ein guter Asset Manager mitbringen sollte. Wir bei Catella legen sehr viel Wert auf lokale Präsenz, Kenntnis und Vernetzung auf den Märkten, in denen wir tätig sind. Zudem sind Soft Skills wie Kollegialität, Can-Do-Mentalität, Kommunikationsstärke, Verhandlungs- und Durchsetzungsfähigkeit wichtige Eigenschaften. Neben unternehmerischem Denken und Teamfähigkeit müssen gute Asset Manager den Mut haben, Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Schließlich ist man als Asset Manager einer Fondsgesellschaft treuhänderischer Eigentümervertreter. Diese oder ähnliche Eigenschaften eröffnen vielfältige Entwicklungs- und Karrieremöglichkeiten im Assetmanagement.

Wie hat sich das Berufsbild Asset Management im Laufe der letzten 10 Jahre für Sie persönlich verändert?

Die Immobilienwirtschaft allgemein und insbesondere das Asset Management sind viel professioneller aufgestellt als noch vor einigen Jahren. Begriffe wie Real Estate Portfolio oder Asset Management waren um das Jahr 2002 weitaus noch nicht so geläufig wie heute. Die Kernaufgaben waren aber auch damals relativ ähnlich. Das Asset Management von heute ist dynamisch,  anspruchsvoll und zunehmend international. Aktives Immobilienmanagement stellt den Menschen heute deutlich stärker in den Mittelpunkt. Zudem sind Anforderungen und Wünsche der Mieter gestiegen und Immobilien heute komplexer als noch vor einigen Jahren. Durch zunehmende Dokumentations- und Reportinganforderungen sowie die derzeitige Entwicklung im Bereich Digitales Immobilienmanagement ist umfangreiches Wissen und kontinuierliches Lernen sehr wichtig.

Welche Entwicklungen prägen in Zukunft das Asset Management?

Digitalisierung, Professionalisierung und proaktives Handeln prägen auch in Zukunft das Asset Management. Der dynamische Wandel von Immobilienmärkten und Nutzeransprüchen erfordert ein aktives Asset Management, um auch in Zeiten von Risiko und Unsicherheit besser auf veränderliche Rahmenbedingungen reagieren zu können. Wir bei Catella Real Estate verfolgen seit längerem einen nachhaltigen Investitionsansatz, um für unvorhergesehene Ereignisse sensibilisiert zu sein. Insbesondere neue Technologien prägen das digitale Asset Management der Zukunft. Wir sprechen derzeit noch nicht von künstlicher Intelligenz (KI) in der breiten Anwendung. Für zahlreiche
Unternehmen und auch bei Catella sind Excel-Spreadsheets weiterhin täglich im Einsatz.

Wie verändert die Digitalisierung das Berufsbild Asset Management? Was sind wichtige Skills?

Wie erleben derzeit einen dynamischen digitalen Wandel in der Immobilienwirtschaft. Digitale Innovationen im Dokumentenmanagement und der Datenanalyse mit KI verbreiten sich rasant. Zum einen bestimmen zunehmende Reportinganforderungen die Immobiliendokumentation. Zum anderen steigen Daten- und Dokumentenmengen und müssen strukturiert gespeichert und aufbereitet werden. Bei Catella nutzen wir SAP und Excel-basierte Cashflow-Berechnungen. Wichtig ist, dass Mitarbeiter die zugrundeliegenden Annahmen und Berechnungen nachvollziehen können und der Austausch von Daten vereinheitlicht und vereinfacht wird. Als Asset Manager müssen wir zunehmend digitale Kompetenzen erwerben. Nicht jeder muss in der Lage sein zu programmieren. Es geht um ein grundlegendes technisches Verständnis und die Fähigkeit, die Systeme und Berechnungsschritte zu verstehen. Wir müssen uns der Digitalisierung mit Neugierde und kritischen Fragen stellen. Bei Catella haben wir bereichsübergreifend ein Mentorenprogramm, an dem ein Senior und ein Junior als Tandem agieren. Die Kombination aus langjähriger Erfahrung und junger Nachwuchskraft mit digitaler Affinität passt ganz gut.

Wie rekrutieren Sie aktuell den Assetmanagement-Nachwuchs?

Sehr gute Erfahrungen haben wir in allen Bereichen bisher mit Berufseinsteigern gemacht, die ein Praktikum oder Werkstudententätigkeit bei Catella absolviert haben. Empfehlen sich Kandidierende, passen Sie menschlich und fachlich ins Team und bringen Sie die Begeisterung für die Stelle und die Ziele des Unternehmens mit? Dann können sie bei uns Karriere machen. Möglich ist der Direkteinstieg oder eine Trainee-Stelle. Zudem ist das Netzwerk wichtig, die Aktivität in Verbänden wie der gif und auch die Präsenz auf Karrieremessen, um mit Bewerbern in Kontakt zu treten.

Wie sieht der Arbeitstag im Asset Management aus?

Die tägliche Arbeit ist sehr abwechslungsreich, dynamisch und kein Tag gleicht dem anderen. Die Immobilie „lebt“ und erfordert flexibles und agiles handeln. Am Tagesbeginn checke ich die E-Mail-Eingänge, da mich regelmäßig Post von Anwälten, Architekten und Dienstleistern wie  Hausverwaltung zur Rechnungsfreigabe oder mit sonstigen Anfragen erreicht. Das Tagesgeschäft beinhaltet die Aufbereitung von Anfragen und Unterlagen sowie die Prüfung von Miet- und Reportingunterlagen, die Erstellung von Mietverträgen und Wirtschaftsplänen sowie die Vorbereitung und Durchführung von Vertragsverhandlungen. Wesentliche Aufgaben, welche auch die gif-Berufsbilder beschreiben, sind die laufende Analyse und Bewertung der Immobilien, die Kommunikation mit Hausverwaltungen, Property Managern, Maklern, Rechtsanwälten, Architekten und Kollegen anderer Abteilungen wie z. B. Portfoliomanagement, Akquise, Buchhaltung, die Steuerung und Führung von weiteren Dienstleistern sowie die Entwicklung von Strategien zur Bestandsoptimierung. Kommunikationsstärke und Verhandlungsgeschick sind hierbei wichtige Eigenschaften, die täglich gebraucht werden. Neben den üblichen Bürozeiten ist auch eine gewisse Reisetätigkeit erforderlich. Regelmäßig haben wir Termine zu verschiedenen aktuellen oder künftigen Bauprojekten bzw. Maßnahmen im Objekt, häufig vor Ort. Neben Besprechungen, Meetings, Jour Fixe mit der Hausverwaltung und Baubesprechungen sind auch Objektbegehungen in regelmäßigen Zeitabständen durchzuführen. Unsere Bürozeiten sind von 9.00 bis 18.00 Uhr, aber dies kann auch variieren, abhängig von Terminen. Grundsätzlich ermöglicht Catella flexible Arbeitszeiten auf Vertrauensbasis. Auch Homeoffice ist möglich, wobei die kontinuierliche Abstimmung mit den Mitarbeitern und der persönliche Kontakt äußerst wichtig sind. Wir verstehen uns als Kümmerer und Problemlöser. Und dies bringt auch mal mehr Einsatz als ein 9-to-5-Job mit sich.

Was sicher viele Nachwuchskräfte interessiert: Wie sind die Einstiegsgehälter mit Bachelor- und Masterabschluss?

Dies hängt stark von dem akademischen Hintergrund, dem beruflichen Werdegang oder auch vorhandenen praktischen Erfahrungen in Bezug auf die Stelle ab. Neben den fachlichen Kompetenzen und der Qualifikation für die Stelle (passt der Bewerber in unser Team?) spielen auch soziales Engagement und die Bereitschaft, sich selbst und die Ziele des Unternehmens zu verwirklichen, eine wichtige Rolle. Begeisterungsfähigkeit, Kreativität, Loyalität und Offenheit sind wichtige Eigenschaften, auf die wir bei Vorstellungsgesprächen achten. Dies sind wichtige Faktoren, auch für die spätere Gehaltseinstufung.

Frau Menzel, was empfehlen Sie dem immobilienwirtschaftlichen Nachwuchs, der einen ähnlichen Karriereweg wie Sie einschlagen möchte?

Seid lernwillig und verantwortungsbewusst. Realistisch mit einer Portion Kreativität. Praktika oder Werkstudententätigkeit ermöglichen es, die eigenen Präferenzen und Stärken kennenzulernen. Entwickelt eine Leidenschaft für die Branche und die Immobilie und schaut ab und an über den Tellerrand hinaus. Geht aktiv in Gespräche mit Teilnehmern anderer Bereiche, um euer Netzwerk aufzubauen und die Branche besser kennenzulernen. Die gif bietet hier durch Fachveranstaltungen oder der Präsenz auf Karrieremessen eine optimale Möglichkeit.

Bild Philipp Müller						Filebrowser

 

Vielen Dank für das Gespräch.
 

Das Interview führte Philipp Müller, Mitglied der gif-Zukunftswerkstatt

 

 

 

 
 
 

Centermanagement: Ivica Pavusek (UNIBAIL – RODAMCO - WESTFIELD)

AUS DER PRAXIS: Interview mit Ivica Pavusek


PAVUSEK Ivica-042 Centermanager						Filebrowser

 

Ivica Pavusek
Deputy Head of Shopping Center Management
UNIBAIL – RODAMCO - WESTFIELD
 

 

 

 

 

Zu Beginn: Welche Erfahrungen haben Sie auf Ihrem beruflichen Weg besonders geprägt?

In meiner beruflichen Laufbahn hatte ich die Chance,durch viele Auslandsaufenthalte Kontakt mit unterschiedlichsten Menschen und Kulturkreisen zu schließen und Erfahrungen zu sammeln. Diese Erfahrungen sowie ein hohes Maß an Leidenschaft und Commitment haben mich sehr geprägt. In meiner beruflichen Laufbahn war ich oftmals mit unerwarteten Situationen konfrontiert. Diese Ereignisse waren ebenso prägend wie hilfreich für meine jetzige Position.

Wie wurden Sie nach Ihrer Ausbildung zum Centermanager?

Mein Weg zum Centermanager war eher unkonventionell. Nach vielen Jahren in der Hotellerie im In- und Ausland war ich durchaus offen für neue Herausforderungen. So kann man es gar als Fügung bezeichnen, dass Unibail-Rodamco, heute URW, seinerzeit gezielt Centermanager aus der Hotellerie rekrutiert hat. Nach sechsmonatiger Einarbeitungszeit in den Gropius Passagen als Deputy Centermanager ging es für mich dann im Januar 2015 als Centermanager in die Riem Arcaden, wo ich bis Ende Juni 2018 auch tätig war. Im Anschluss habe ich dann die Position des Deputy Head of Shopping Center Management übernommen.

Welches „Handwerkszeug“ braucht es zum Centermanager?

Natürlich ist das Wissen um diverse Einzelhandelskennzahlen und betriebswirtschaftliche Zusammenhänge durchaus von Vorteil, aber das kann man lernen. Wichtig ist uns von Beginn, dass sich ein künftiger Centermanager einfühlen kann in die Sicht der Kunden, dass er das Arbeiten in gemischten Teams schätzt, sich organisieren kann, kreativ ist und Freude daran hat, Entscheidungen zu fällen und auch durchzusetzen. Und: Wir arbeiten in einem sehr dynamischen Umfeld, daher brauchen wir Persönlichkeiten, die immer weiter denken.

Welche Tätigkeiten gestalten das Tagesgeschäft eines Centermanagers und machen ihn zu Ihrem Traumjob?

Die Vielfalt. Der Centermanager ist wie ein Dirigent eines Orchesters und dafür verantwortlich, dass alles, dies umfasst Prozesse, Abläufe, Marketingaktivitäten, technische und operative Belange – um nur ein paar zu nennen – zusammen harmoniert, um für den Kunden, unseren Gast, ein einzigartiges Erlebnis zu schaffen. Natürlich sind hierbei auch nicht die Mieter zu vergessen, die ebenso Stakeholder im Center sind. Hier ist es wichtig, einen kontinuierlichen Austausch mit ihnen zu pflegen.

Das veränderte Kaufverhalten veränderte in den letzten Jahren auch Shopping-Center: Welche Verbesserungen haben Sie gezielt (in den Riem Arcaden) vorgenommen?

Wie Sie schon sagten, das Kaufverhalten hat sich verändert. Ich möchte bzw. muss dies noch etwas weiter fassen. Ebenso hat sich die Erwartungshaltung unserer Kunden verändert, gleichermaßen wie auch die Kunden selbst. Hat es vor einigen Jahren noch gereicht, den Kunden eine Auswahl an Händlern im Center anzubieten; so erwartet der Kunde heute Service, einzigartige Events und Erlebnisse, eine ansprechende Auswahl an Gastronomie, Architektur sowie einen  außergewöhnlichen Mietermix.
Im besten Fall kann der Kunde von heute sogar im Quartier wohnen, arbeiten, diverse Freizeitmöglichkeiten nutzen und natürlich einkaufen – das haben wir im StadtQuartier Riem Arcaden seinerzeit auch alles umgesetzt. Das war immer die Zielsetzung des StadtQuartiers und wurde in den letzten Jahren zusammen mit dem Eigentümer kontinuierlich verfolgt.

Welche Eigenschaften werden gute Centermanager in Zukunft ausmachen?

  • Gastgeber sein
  • Verständnis der Kunden
  • Trends analysieren und vorausahnen
  • Global denken, lokal handeln.

Vor allem für Absolventen und Young Professionals interessant:
Wie sind die Einstiegsgehälter?

Pauschal kann man dies nicht beantworten. Sie variieren natürlich je nach Abschluss, Berufserfahrung und individueller Eignung der Absolventen bzw. Young Professionals.

Wie rekrutieren Sie aktuell Ihren Nachwuchs?

Als Unibail-Rodamco-Westfield verfügen wir über ein breites Netzwerk, das sich über die besten Hochschulen Europas erstreckt. Dort rekrutieren wir unsere Next Generation. Im Rahmen unseres International Graduate Programms geben wir Hochschulabsolventen die Möglichkeit, innerhalb von drei sog. Missionen einen Einblick in die unterschiedlichen Bereiche unserer Gruppe zu erhalten. Darüber hinaus rekrutieren wir über eine Vielzahl an Kanälen wie Xing und LinkedIn, aber auch über Headhunter.

Herr Pavusek, zu guter Letzt:
Welchen Rat haben Sie für zukünftige Centermanager?

  • Habt Leidenschaft und Selbstvertrauen
  • Seid neugierig.

 

Dreifürst Centermanager						Filebrowser

 

 

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Das Interview führte Christian Dreifürst, Mitglied der gif-Zukunftswerkstatt

 
 
 
 
 
 
 

Immobilienmarkt-Research: Prof. Dr. Thomas Beyerle (Catella Property Valuation GmbH)

AUS DER PRAXIS: Interview mit Prof. Dr. Thomas Beyerle


Thomas Beyerle ist Managing Director der Catella Property Valuation GmbH und unter anderem gif-Vorstand für den Bereich Marketing. Ferner hat er an der Hochschule Biberach eine Professur an der Fakultät BWL (Bau und Immobilien).

Er ist in der Branche sehr eng vernetzt und lässt seine Follower via Twitter und LinkedIn an seinen vielfältigen Aktivitäten teilhaben.

Folgen Sie Prof. Dr. Beyerle auf Twitter:

  

Herr Beyerle, vielen Dank, dass Sie sich Zeit für ein kurzes Gespräch nehmen. Erzählen Sie mal: Wie waren Ihre Anfänge, was und wo haben Sie studiert und wie sind Sie eigentlich zum Immobilien-Researcher
geworden?

Dass es einmal etwas mit Immobilien werden würde, war beim Beginn des Geographiestudiums an der Universität Mannheim nicht absehbar. Allerdings hat sich die Raumwirksamkeit auch in den BWL/VWL-Kursen schnell gezeigt und, auch wenn es wie ein Klischee klingt, ein Faible für Erdkunde und viele Städtereisen haben sicherlich das Ganze unterstützt. Das Wort „Immobilien“ kam, glaube ich, im ganzen Studium nur einmal in der VWL indirekt vor: im Begriff„Hauspreiselastizität“. Die ersten konkreten beruflichen Schritte habe ich dann als Werkstudent bei der Erstellung des „Plötz Immobilienführers Rhein-Neckar“ unternommen. Die Erfassung und Bewertung von Wohnlagen war der Einstieg. Damals kam ich durch Interviews, die ich für den Immobilienführer führen musste, mit „wichtigen Männern der Immobilienbranche“ direkt in Kontakt und konnte quasi eine Barriere überspringen. Ich bin nach dem Studium als Doktorand von der Dresdner Bank angerufen und auf eine Position aufmerksam gemacht worden. Seit dem Zeitpunkt war ich drin.

Die gif hat mit „Berufsbildern der Immobilienwirtschaft“ Jobprofile entwickelt und Standards definiert. Mal unter uns und aus der Praxis: Wie sieht die Realität aus? Was muss Ihrer Meinung nach ein Researcher mitbringen? 

Die Berufsbilder zeigen immer das Fundament dieses Berufszweigs, wie es idealerweise aussehen sollte. Definiert aus der Branche selbst, genau mit dem Zweck, die Heterogenität und Einsatzmöglichkeiten des Researchers abzubilden. Er tritt uns ja sehr vielschichtig gegenüber: als Zahlenmensch, als Analysemensch, als Präsentationsmensch, also Geoinformationsmensch, als Raumversteher oder als Reisemensch. Diese Anforderungen werden ergänzt durch einen ökonomischen Rahmen, ob das immer VWL oder Immobilienökonmie sein muss, darüber kann man streiten. Zumindest ist der „Data Analyst“ sehr auf dem Vormarsch in unserer Branche.

Wie rekrutieren Sie aktuell den Researcher-Nachwuchs?

Letztlich ist der Weg über ein Praktikum bzw. eine Werkstudententätigkeit sicherlich ideal. Auch das „passive Recruitment“ durch Vorlesungen eignet sich sehr gut. Persönlich habe ich mit „Praktikant empfiehlt Praktikant“ zu 99% sehr gute Erfahrungen gemacht. Doch auch wir stehen in einem Wettbewerb, der immer knapper werdenden Ressource „Nachwuchs“. Zumal man „ResearcherIn“ ja nicht per se studieren kann. Aber auch die diversen Karrieremessen bieten eine gute Plattform, um mit potenziellen Bewerbern in Kontakt zu treten und Begeisterung zu wecken.

Was zeichnet einen guten Immobilien-Researcher aus?

Wichtig ist das Gespür für Raum/Zeit/Mensch. Klingt erst mal sehr neutral, aber die Fähigkeit, sich – mit den Zahlen von heute und gestern – vorstellen zu können, was mit dem Raum, z. B. einem Szeneviertel in einer Großstadt in den nächsten Jahren passieren könnte, analog den dort wohnenden („microliving“) und arbeitenden („Coworking“) Menschen und deren Verhalten („online shopping“), sollte vorhanden sein. An der Stelle wird klar: eine Blaupause für die nächste Studie lässt sich schwer ableiten. Folglich ist das „Kreative“ und einen Hang zu „Zahlen“ enorm wichtig. Spätestens an der Stelle wird klar, dass der Hardcore-BWL‘er oder der physische Geograph sich hier eher schwer tut.

Wie sieht der Arbeitstag eines Immobilien-Researchers aus?

Planbar bis ad hoc, mit der deutlichen Tendenz zu ad hoc. Mit anderen Worten: der Dynamik des aktuellen Marktumfelds geschuldet, ist die schnelle, gründliche Bereitstellung von Marktinformationen und deren Interpretation aktuell sehr wichtig. Echte Grundlagenarbeit, wie z. B. Basisarbeiten oder Vor-Ort-Besichtigungen müssen sich irgendwo in diesem Zeitstrahl reinzwängen. Heißt: die meiste Zeit verbringt der Reseracher eher am Büroarbeitsplatz oder in WLAN-Zonen auf der Suche nach Informationen. Diese dann fokussiert, anschaulich und manchmal auch bunt vorzustellen ist essenziell. 

Was sicher viele junge Menschen interessiert: Wie sind die Einstiegsgehälter?

Hier liegt die Bandbreite aktuell zwischen 42.000 € und 50.000 €. Dies ist gleichwohl abhängig von der Qualifikation (passen die Praktika und das soziale Engagement – Stichwort Teamfähigkeit) und dem Gesamtbild im Studium (Datenbankanalyse, ökonomische Fächer).  

Wie sehen Sie die beruflichen Perspektiven und Entwicklung eines Researchers?

Sehr gut – man muss sich dabei vor Augen halten, das Daten, also die Quelle der Aktivität zunehmend in den Fokus des ökonomischen Erfolgs von Unternehmen geraten. Gleichwohl ist aber eine Mischung aus Selbstlearning und Fortbildung, wie z. B an der EBS, der Hochschule Biberach oder der IREBS sehr wichtig, um das nötige Rüstzeug stets aktuell zu halten. Die Immobilienbranche entwickelt sich bekanntermaßen sehr dynamisch. 

Ändert sich mit der zunehmenden Digitalisierung auch das Berufsbild des Researchers?

Definitiv! Es geht sicherlich weniger darum, der beste Programmierer zu werden, doch die Frage an die Datenqualität nimmt dramatisch zu. Hier stoßen freilich Ansprüche des grundsätzlich Möglichen auf das Realistische: Stichworte Datenschutz, Intransparenz oder einfach keinerlei Daten verfügbar. Eine gesunde Portion Pragmatismus stellt hier die Basis des qualifizierten Arbeitens dar.    

Sie haben einmal in einem Interview mit der IZ gesagt, dass Sie sich einen eigenen Studiengang für das Research wünschen. Ist Ihr Wunsch in Erfüllung gegangen?

Zumindest gibt es kaum noch eine Fortbildung in welcher das Thema Research/Marktanalyse nicht dabei ist. Einen eigenständigen Studiengang gibt es noch immer nicht, gleichwohl aber Professuren in Regensburg, Geislingen oder Biberach, welche sich im Schwerpunkt dem Thema verschrieben haben. 

Herr Beyerle, was können und möchten Sie all denjenigen mit auf den Weg geben, die sich für den Einstieg als Immobilien-Researcher interessieren?

Macht besser ein Praktika mehr, als zu wenig. Seid offen für das Thema, lasst euch von der Vielfalt der Möglichkeiten leiten und inspirieren. Hinterfragt aber auch immer – gerade in den Unternehmen – ob es nicht einen anderen, besseren Weg im Umgang mit Daten gibt. Und vernetzt euch mittels Social Media und durch die Teilnahme an Fachveranstaltungen mit Unternehmen und Key People aus der Branche. Und ganz klar: Die gif bietet hier eine sehr gute Plattform.

Vielen Dank für das Gespräch.

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